Regina Ullmann

Leben

Benannt wurde die Grundschule an der Regina-Ullmann-Straße nach der Erzählerin und Lyrikerin Regina Ullmann (1884 – 1961). Die Tochter eines jüdischen Kaufmanns österreichischer Nationalität und einer deutschen Mutter, wurde am 14. Dezember 1884 in St. Gallen (Schweiz) geboren. Hier, in ihrer Heimatstadt besuchte sie auch die Schule. Durch ihre Herkunft hatte Regina Ullmann aber die österreichische und damit ab 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft.

Nach dem Tod des Vaters übersiedelte sie mit der Mutter 1902 nach Bayern und lebte bis 1938 mit Unterbrechungen in München. Zeitweise wohnte Regina Ullmann auch in Wien, wo sie im Jahr 1906 und 1908 zwei Töchtern das Leben schenkte, deren Väter der Wirtschaftswissenschaftler Hanns Dorn und der Psychoanalytiker Otto Groß waren. In München begegnete die junge Schriftstellerin Rainer Maria Rilke, der sie literarisch und materiell förderte und öffentlich für sie eintrat. Zu ihrem Freundeskreis zählten unter anderem: Thomas Mann, Wilhelm Hausenstein, Karl Wolfskehl, Arthur Schnitzler, Hans Carossa und Hermann Hesse.

Durch den Einfluss des Ehepaars Derleth trat Regina Ullmann im Jahre 1911 zum katholischen Glauben über. Sie wurde praktizierende Katholikin, deren Glaubensüberzeugung ihr schriftstellerisches Schaffen prägte. Regina Ullmann führte viele Jahre ein unstetes Leben. In ihrem Beruf nur mäßig erfolgreich, war sie, soweit das Geld reichte, viel auf Reisen. Durch den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zur deutschen Staatsbürgerin geworden, wurde sie wegen ihrer jüdischen Herkunft von Repressalien und Verfolgung bedroht. Im Jahre 1935 schloss man sie aus dem deutschen Schriftstellerverband aus, 1936 übersiedelte sie nach Salzburg. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahre 1938 zog sie nach St. Gallen, in ein von Nonnen geführtes Marienheim. Dort lebte sie in ständiger Angst, aus der Schweiz ausgewiesen zu werden. Um eine befristete Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, musste sie nachweisen, dass sie in der Lage war, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Erst im Jahre 1950, als es nicht mehr dringlich war, erhielt Regina Ullmann die Schweizer Staatsbürgerschaft. Unter der Obhut ihrer Tochter verbrachte sie ihren Lebensabend in Eglharting, wo sie am 6. Januar 1961 verstarb.

vgl. Nordostkultur